Hoppala gefunden?
Unsere Website ist frisch gelauncht - bitte hilf uns, sie zu verbessern!
Bitte füll unser Fehler-Formular aus, damit wir das Hoppala beheben können – dankeschön!
Fehler meldenEinst ein Symbol der industriellen Produktion, ist das Areal heute ein lebendiges Zentrum für Kreativität, Innovation und Digitalisierung.
1672 entstand am Standort der heutigen Tabakfabrik Linz eine Wollzeugfabrik, nach deren Konkurs 1850 wurden Tabakwaren am Standort produziert.
Die heutigen Gebäude wurden zwischen 1929 und 1935 von den Architekten
Peter Behrens und Alexander Popp errichtet.
In den Folgejahren war die Tabakfabrik ein florierendes Industrieunternehmen, doch nach der Privatisierung im Jahr 1997 und mehreren Eigentümerwechseln wurde die Produktion 2009 eingestellt.
Die Stadt Linz erkannte das Potenzial des Areals und kaufte das 38.148 Quadratmeter große Gelände. Dies war der Startschuss für die Transformation vom ehemaligen Fabriksgelände hin zu einem einzigartigen Areal an dem neue Technologien, Start-ups und Kreativwirtschaft zusammenwirken.
Von 1672 bis 1850 befand sich am Standort der heutigen Tabakfabrik Österreichs erste Textilfabrik des industriellen Zeitalters, die Linzer Wollzeugfabrik.
1672 erhielt errichtete der Linzer Ratsbürger Christian Sind(t) das Privileg eine Fabrik für Wollzeug. Sie entwickelte sich zur wohl ältesten Großindustrie des Landes. Nach mehreren Besitzerwechseln folgte die Verstaatlichung durch Maria Theresia im Jahr 1754. Anfangs entstanden hier Schafwollprodukte. Später produzierte die Fabrik auch feines Tuch aus Kaschmirwolle, Teppiche, bedruckte Tischdecken und Möbelstoffe.
Die Fabrik war eine Pionierin ihrer Zeit, führte feste Arbeitszeiten und eine frühe soziale Versorgung ein. Sie koordinierte zehntausende Arbeiter:innen in Heimarbeit, 1791 erreichte sie den der Höchststand : Von 49.292 Mitarbeitern waren 100 Arbeiter in der Fabrik, alle übrigen in Heimarbeit beschäftigt. Unter den Beschäftigten waren im Laufe der Jahrhunderte auch Zwangsarbeiter:innen, viele Frauen und Kinder.
Der Architekt Johann Michael Prunner verlieh dem Gebäude zwischen 1722 und 1726 ein prachtvolles, schlossartiges Aussehen. Dieses Hauptwerk barocker Industriearchitektur war lange eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Linz, wurde jedoch 1969 abgerissen. Nur das kleine „Zwirnerstöckl“ ist heute noch erhalten.

Nordico Stadtmuseum Linz
Die Geschichte der Tabakproduktion in Österreich begann lange vor der Gründung des Linzer Werks. Bereits 1784 führte Kaiser Joseph II. das österreichische Tabakmonopol ein. Dieses staatliche Hoheitsrecht umfasste den Anbau, die Erzeugung und den Verkauf von Tabak. Nach und nach wurde das Monopol auf die gesamte Monarchie ausgedehnt. Um die steigende Nachfrage zu decken, sollten neue Produktionsstätten entstehen. Nach längeren Verhandlungen fiel die Wahl in Linz auf die Gebäude der ehemaligen Wollzeugfabrik. Im Jahr 1850 wurde der Gebäudekomplex erworben und für die Tabakproduktion adaptiert. Am 26. Juni 1850 nahm die Tabakfabrik Linz mit 70 Arbeiterinnen ihren Betrieb auf.
Die Anfangsjahre waren nicht einfach. In der ländlich geprägten Bevölkerung stieß die Fabrik auf Skepsis, und es war schwer, Arbeitskräfte zu finden. Trotzdem begann die Produktion von Zigarren, Rauch- und Kautabak. Zunächst wurden vor allem günstige „Volkszigarren“ hergestellt. Die Qualität überzeugte jedoch, und schon bald kamen auch teurere Sorten wie Britanica oder Trabuco hinzu. Um die Produktion zu starten, wurden erfahrene Arbeiterinnen aus anderen Fabriken nach Linz geholt. Die Arbeitsbedingungen waren hart und die Löhne niedrig, doch die Fabrik wuchs stetig. Neun Jahre nach der Eröffnung waren bereits über 1.000 Menschen hier beschäftigt.
Mit dem Aufkommen der Zigarette im späten 19. Jahrhundert begann ein neues Kapitel. 1904 startete in Linz die maschinelle Fertigung von Zigaretten, darunter die beliebten Sorten „Drama“ und „Sport“. Die Produktion stieg rasant an. Die Fabrik wurde laufend erweitert und modernisiert. Der Erste Weltkrieg brachte große Herausforderungen mit sich, da Rohstoffe knapp wurden und sogar Ersatzstoffe wie Buchenlaub beigemischt werden mussten. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie verlor die Tabakregie viele ihrer Fabriken. Linz wurde umstrukturiert und entwickelte sich trotz wirtschaftlicher Krisen zu einem wichtigen Standort, der die Produktion stetig steigerte und Tausenden von Menschen Arbeit gab.
Die Tabakfabrik, geplant von den Architekten Peter Behrens und Alexander Popp, ist ein Meilenstein der österreichischen Industriearchitektur. Die Gebäude entstanden zwischen 1929 und 1935 – und das bei laufender Produktion mitten in der Weltwirtschaftskrise.
Als einer der ersten Stahlskelett-Bauten Österreichs war die Konstruktion revolutionär. Diese Bauweise ermöglichte nicht nur flexible Innenräume, sondern auch durchgehende Fensterbänder. Das Ergebnis: Helle, lichtdurchflutete Arbeitsräume, die das Wohlbefinden der Arbeiter:innen in den Mittelpunkt stellten. Die gesamte Architektur folgte den Arbeitsabläufen und schuf so eine hocheffiziente Organisation.
Von der Architektur über die Möbel bis zur Schrift wurde alles eigens für diesen Bau entwickelt. Behrens und Popp schufen damit ein Gesamtkunstwerk, das Funktionalität, Ästhetik und gute Arbeitsbedingungen optimal vereinte.

Hermann Steindl
Im Nationalsozialismus galten Zigaretten als „kriegswichtig“. Einer der Architekten, Alexander Popp, war bereits 1935 der NSDAP beigetreten.
Trotz Luftangriffen und der teilweisen schwarzen Tarnfärbung der Fabrik lief die Produktion unter Hochdruck weiter, mit bis zu 50 Arbeitsstunden pro Woche. Ab 1941 erschwerte Tabakmangel die Produktion; in der Endphase des Krieges konnte nur noch eine Einheitszigarette hergestellt werden. 1943 traf eine Fliegerbombe einen Tabakspeicher, worauf die Vorräte ins Umland verlagert wurden. Im April 1945 sollte die Linzer Tabakfabrik auf Befehl des NS-Regimes gesprengt werden, doch mutige Arbeiter verhinderten die Zerstörung.
Die Produktion lief bis zur kampflosen Übergabe von Linz am 4. Mai 1945. Kurz zuvor wurden fünf kommunistische Arbeiter und Widerstandskämpfer aus der Tabakfabrik im KZ Mauthausen ermordet.

Archiv der Stadt Linz
Wenige Tage vor Kriegsende, am 28. oder 29. April 1945, wurden die Linzer Widerstandskämpfer und ehemalige Tabakfabrikarbeiter Rudolf Kühberger, Hugo Müller, Heinrich Obermayr, Anton Schmelensky und Josef Teufl zusammen mit weiteren politischen Häftlingen im KZ Mauthausen von den Nationalsozialisten ermordet. Der Befehl kam vom damaligen Gauleiter August Eigruber.
Die Tabakfabrik Linz ehrt Sepp Teufl sowie die vier weiteren ermordeten Arbeiter und Widerstandskämpfer Rudolf Kühberger, Hugo Müller, Heinrich Obermayr und Anton Schmelensky seit 2002 mit einer Gedenktafel. Die Tabakfabrik war das erste Linzer Unternehmen, das eine derartige Ehrung von im Widerstand gegen das NS-Regime ums Leben gekommenen Betriebsangehörigen vorgenommen hatte. 2013 entwendeten unbekannte Täter:innen die Gedenktafel, sie konnte sichergestellt und wieder montiert werden. Heute erinnert sie am Haupteingang des Hauses CASABLANCA an diese mutigen Männer. Wir werden sie niemals vergessen.
Seit der Eröffnung im Jahr 1935 wurde hier ununterbrochen produziert, mit einer kurzen Ausnahme: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs liefen die Maschinen nach 18 Tagen wieder an, um Zigaretten für die Zivilbevölkerung herzustellen.
1949 wurde das Tabakmonopol neu geregelt und der Staat Österreich übernahm die „Austria Tabakwerke AG, vormals Österreichische Tabakregie“ wieder. Es begann ein konsequenter Rationalisierungsprozess: Während die Zahl der Beschäftigten von 887 Personen im Jahr 1951 auf 284 im Jahr 2009 schrumpfte, stieg die Zigarettenproduktion enorm an.
In den 1960er-Jahren revolutionierte das Überrollverfahren die Herstellung von Filterzigaretten. Die runde Zigarette setzte sich als Standard durch und die Produktivität stieg weiter.
In den 1980er-Jahren wurden Produktions- und Verpackungsmaschinen zu Einheiten gekoppelt, was die Effizienz nochmals erhöhte. Zu dieser Zeit wurde auch der Unternehmensname, der aus nationalsozialistischer Zeit stammte, zu „Austria Tabak“ verkürzt.

Hermann Steindl
Mitte der 1990er-Jahre begann die schrittweise Privatisierung der Austria Tabak. Damit ging die hohe Arbeitsplatzsicherheit für die Beschäftigten verloren. 2001 wurde das Unternehmen schließlich vollständig an die britische Gallaher Group verkauft. Sechs Jahre später übernahm Japan Tobacco International (JTI) den Konzern. Der Fokus verlagerte sich auf ausländische Standorte, und die Linzer Fabrik verlor an Bedeutung. Im September 2009 schloss JTI die Tabakfabrik Linz endgültig. Damit endete die 159-jährige Ära der Tabakproduktion am Standort.
Als staatliches Unternehmen setzte die Tabakfabrik früh soziale Maßstäbe. Fabrikärzte kümmerten sich um die Gesundheit der Belegschaft. Es gab eine Werksküche, Waschräume und sogar ein Säuglingsheim. Frauen profitierten von einem erweiterten Mutterschutz. Auch
die Betriebskrankenkasse und die Erholungsheime zeugten von der Fürsorge der Österreichischen Tabakregie.
In den 1950er-Jahren reagierte die Fabrik auf die Wohnungsnot in Linz mit dem Bau von mehr als 100 Wohnungen. Der neue Betriebskindergarten wurde zur Mustereinrichtung.

Hermann Steindl
Wo früher Zigaretten hergestellt wurden, arbeiten heute tausende Menschen in mehr als 250 Organisationen.
Die Stadt Linz erwarb das Areal 2009 und startete einen einzigartigen Entwicklungsprozess. Unter dem Motto „Wegen Umbau geöffnet“ wurde die Fabrik schrittweise wiederbelebt. Legendäre Events wie das Ars Electronica Festival zogen Tausende an und zeigten das Potenzial der alten Mauern. Schnell siedelten sich die ersten Mieter:innen an, die sogenannten Pionier:innen, gemäß dem Prinzip des Kollaborativen Konzerns. Es entstand ein dynamisches Ökosystem aus Start-ups, Künstler:innen, Designer:innen, Kreativen, sozialen Initiativen, erfolgreichen Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Gastronomie… Die Namen der Gebäude, wie CASABLANCA, DAMES oder FALK, erinnern an alte Zigarettenmarken und verbinden so die Geschichte mit der Zukunft. Statt Zigaretten entstehen heute Ideen, kreative Kompositionen, Anwendungen für Künstliche Intelligenz, Dienstleistungen, nachhaltige Waren und vieles mehr am Areal.
Mit der Fertigstellung des QUADRILL 2026 schlug die Tabakfabrik ein neues Kapitel auf. Sie blickt in ihre Zukunft als Kreativquartier, als Hub für Startups und Innovationen. Sie ist ein Ort zum Arbeiten, Wohnen, Leben – ein neues Stadtviertel für Linz.

Hermann Steindl
Wollzeugfabrik, Tabakfabrik, Stadtviertel: Die erfolgreiche Transformation in Zahlen.
0
Arbeiterinnen
starteten 1850 die Linzer Tabakproduktion
0
Personen
erzeugten 4 Milliarden Zigaretten im Jahr 1951
0
Personen
umfasste die Belegschaft bei der Schließung des Werks 2009
0
Personen
arbeiteten, lernten, lehrten 2025 in der Tabakfabrik Linz
An das Archiv der Stadt Linz und das Nordico Stadtmuseum Linz für die Fotos & Dokumente!